40 Jahre ist es nun her, dass in Tschernobyl der Reaktorunfall geschah. Und während die bayrischen Politiker von „Mini-Atomkraftwerken“ träumen, würden sehr viele Menschen dieses Kapitel gerne abschließen. Und zwar für immer.

Tschernobyl und seine Auswirkungen
Am 26. April 1986 geschah der Reaktorunfall in Tschernobyl und eine Technologie, die bis dahin als sicher angesehen wurde, zeigte was für schreckliche Folgen sie haben kann.
Ich war zum Zeitpunkt des Unfalls erst 2 Jahre alt, aber die Folgen und die damit verbundenen Warnungen reichten bis in die 90er Jahre und darüber hinaus. Und auch der zweite Sarkophag, der die Anlage von Tschernobyl nun umschließt ist erst 2019 final in Betrieb genommen worden.
Trotzdem, dass nun 40 Jahre vergangen sind, strahlt dieses Ereignis mit seinen Folgen weiter in unsere Zeit hinein.. wortwörtlich.
Meine Eltern haben lange bewusst keine Pilze und kein Wildfleisch aus den betroffenen Regionen und auch aus der Umgebung in Süddeutschland gekauft haben, weil sie die Warnungen damals sehr ernst nahmen.
Persönlich bekam ich das Thema erst mit den Demonstrationen gegen die CASTOR-Transporte mit, die unter anderem mit dem Slogan „Atomkraft? – Nein Danke“ geführt wurden.
CASTOR steht für „Cask for Storage and Transport of Radioactive Material“ und bezeichnet die Behälterart für den Transport von radioaktivem Material.
Damals ging es bei den Protesten um den Transport des radioaktiven Mülls nach Gorleben, wobei die Befürchtung im Raum stand, dass der Salzstock, der damals als Zwischenlager verwendet wurde, als Endlager etabliert werden sollte und Kritiker damals schon sagen, dass dieses Bergwerk nicht geeignet war um dort radioaktiven Müll abzuladen. Aber es ging ganz generell gegen die Erzeugung immer weiteren radioaktiven Mülls.
Die Transporte erfolgten größtenteils auf der Schiene begleitet von Hundertschaften der Polizei um dann auf teilweise tausend und mehr Personen zu treffen, die sich an den Schienen festgekettet haben.
Auch in Ulm und vor allem Gundremmingen fanden die Proteste statt, so habe ich auch im beschaulichen Ulm damals recht viele Autos, Laternenpfosten und andere Oberflächen mit Aufklebern dieser Protestaktion gesehen.
Fukushima und das endgültige Aus der Atomkraftwerke in Deutschland
Am 11.03.2011 kam es in Folge eines Erdbebens und eines Tsunamis zu einer Reaktorkatastrophe im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi. Durch die Schäden an den Reaktorgebäuden durch die Naturereignisse kam es in Block 1, 2 und 3 zu Kernschmelzen. In deren Folge wurden große Mengen an radioaktivem Material freigesetzt. Die Menge entsprach in etwa einem Fünftel der Menge, die bei der Katastrophe von Tschernobyl freigesetzt wurde.
Tatsächlich war es nicht der Vorfall in Tschernobyl, der für das endgültige Aus der Atomkraftwerke in Deutschland sorgte. 2002 wurde das „Ausstiegsgesetz“ erlassen was das Ziel hatte eine geordnete Beendigung der Nutzung der Kernenergie für die kommerzielle Stromerzeugung (Zuteilung von Reststrommengen; Verbot neuer kommerzieller AKW) herbeizuführen. Dieses Gesetz, das damals von SPD und den Grünen beschlossen wurde war sicherlich auch eine Folge des Widerstandes in der Bevölkerung.
Die Reaktorkatastrophe von Fukushima in Japan am 11. März 2011 war letztendlich der Auslöser für die Abschaltung der AKW.
Seit dem 15. April 2023 sind die letzten drei AKWs Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 nicht mehr in Betrieb und werden genauso wie bisher alle anderen Kernkraftwerte für den Rückbau vorbereitet oder der Prozess ist bereits im Gang.
Die Faszination, die Angst und die Zukunft
Als Kind und Heranwachsende war ich immer fasziniert von Naturkatastrophen, Havarien, Unfälle und vielen anderen schlimmen Dingen. Aus dem Drang heraus verstehen zu wollen, was jeweils passiert ist, habe ich dazu diverse Bücher gelesen und nahezu jede Information zu allem, was irgendwie in diese Richtung ging, aufgesogen.
Und natürlich habe ich mir immer Gedanken gemacht. Ich habe mich gefragt, wieso so viele Menschen davon ausgingen, dass das was in Tschernobyl oder anderswo passierte, sich nicht auch hier in Deutschland wiederholen könnte? Es gab ja nicht nur die beiden großen Unfälle in Tschernobyl und Fukushima, die wohl nahezu jedem bekannt sind. Schau dir gerne dazu folgende Liste mal an: Wikipedia – Liste von Unfällen in kerntechnischen Anlagen
Mit ihrer Angst waren und sind meine Eltern wohl typische „German Angsthasen“. Auslöser dafür war sicherlich nicht nur die Nachkriegszeit des zweiten Weltkriegs, in der sie aufgewachsen sind, sondern auch all das was zwischen ihrer Kindheit und jetzt passiert.
Und sowohl meine Schwester wie auch ich, konnten uns dieser Angst nicht entziehen.
Mit der Zeit bin ich etwas entspannter geworden. Aber ich bin kein Befürworter der Atomkraft. Es gibt so viele andere ungefährlichere Wege Energie zu erzeugen. Und selbst dabei können noch genügend Fehler passieren. Wobei keiner davon so viele Menschen im jetzt und in der Zukunft auf einmal gefährden könnte wie ein Atomkraftwerk und dessen Hinterlassenschaften.
Persönlich werde ich irgendwann sehr froh darüber sein, wenn es das Atomkraftwerk in Gundremmingen und das Zwischenlager nicht mehr gibt. Wir haben hier etwas geschaffen was viele Generationen nach uns beschäftigen wird. Und ich hoffe inständig, dass wir einen Weg finden die nachfolgenden Generationen in irgendeiner Weise davor bewahren zu können mit unseren strahlenden Nachlässen in irgendeiner Weise in Kontakt zu kommen.
Söders Wunsch: Mini-Atomkraftwerke
Und eigentlich wollte ich den Beitrag damit abschließen. Aber natürlich gibt es Menschen, die das ganz anders sehen. Söder macht seit Monaten von sich reden und wünscht sich Mini-Atomkraftwerke.
Ungeachtet der Risiken, die diese Technologie mit sich bringt, aber auch der technischen Umsetzbarkeit fordert er immer wieder, dass man doch weiter machen müsse.
„Generell müsse in Deutschland die Wettbewerbsfähigkeit an erster Stelle stehen, so wie es Kanzler Friedrich Merz (CDU) auch erklärt habe, sagte Söder.“ (Die Zeit – Markus Söder fordert Bau kleiner Atomkraftwerke)
Steht die Wettbewerbsfähigkeit über das Wohlergehen der Menschen in Deutschland?
Für einen Söder und auch einen Friedrich Merz, der ja laufend noch mit ganz anderen Aussagen und Sprüchen von sich reden macht, Ja!
Ich bezeichne diese Menschen, die es ohne Sinn und Verstand für die Menschen in höhere Positionen gebracht haben, gerne als „keine Menschenfreunde“. Und hake damit diese Aussagen dieser Typen für mich ab. Das gelingt mir bei komischen Unternehmenschefs oder „Platzwarte“ in der eigenen Umgebung besser als bei einem Bundeskanzler oder einem „foodbloggenden“ bayrischen Ministerpräsidenten, dem ich wirklich jegliche Kenntnis von Allem abspreche.
Zumindest Söders Wunschtraum nach den Mini-AKWs und den Wiederaufbauplänen der stillgelegten AKWs sind nicht realisierbar. Aber ich hoffe, dass unsere Technologie sich auf den Ausbau der erneuerbaren Energien konzentriert und sich von solchen „Platzhirschen“ nicht zu sehr beeinflussen lässt.
Weitere Blogbeiträge und Quellen zum Thema
Von Anderen
Quellen und weitere Links
- Die Zeit – Markus Söder fordert Bau kleiner Atomkraftwerke (15.11.2025)
- zdfheute – Söder will Mini-Atomkraftwerke in Bayern (15.03.2026)
- Wikipedia – Nuklearkatastrophe von Tschernobyl
- Wikipedia – Nuklearkatastrophe von Fukushima
- The History of the smiling Sun
- .ausgestrahlt – gemeinsam gegen Atomenergie
- Wikipedia – Atomkraft? Nein Danke.
- Wikipedia – Anti-Atomkraft-Bewegung
- Wikipedia – Erkundungsbergwerk Gorleben
- Bundesamt für Sicherheit der nuklearen Entsorgung – Der Atomausstieg in Deutschland

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