Naja, also eins steht fest: Groß werde ich mit meinen knapp über 1,50m und 41 Jahren nicht mehr. Aber werden kann ich noch was, ganz viel sogar.
Beispielsweise relaxt werden, oder relaxter als ich oft bin – wobei ich wahrscheinlich deutlich entspannter wirke als ich innerlich bin.
Ganz entspannt durch die Welt zu dapsen ist schon ein schönes Gefühl. Das hat mir zuletzt auch mein „Relaxmas“ gezeigt, was ja doch relativ gut geklappt hat. Natürlich gibt es immer wieder äußere Einflüsse, die so ein ganzheitliches relaxen ganz schön schwierig macht. Aber in meinem kleinen Kosmos, wenn ich all das ausklammere was ich nicht beeinflussen kann, da kann ich an mir arbeiten.
Aber auch kreativ werden. Das stelle ich mir ganz wunderbar vor.
Meist fließen meine kreativen Ströme eher in Pfannen und Kochtöpfe. Das ist nicht zu schlecht, immerhin habe ich dann in 98% der Fälle ein gutes Essen da. (In den restlichen 2% habe ich zumindest etwas gelernt fürs nächste mal.)
Gezeichnet, gemalt oder mit Holz, Ton, Stein und anderen Materialien habe ich schon lange nicht mehr gearbeitet.
Naja, zählt es, dass ich versucht habe einen Garten zu bepflanzen? Also der Garten ist bepflanzt. Ob das alles zu schlau war und auch noch in Jahren gut aussieht, das bleibt abzuwarten, wobei mein „gut“ ja nicht zwingend auch das „gut“ der Nachbarn, Spaziergänger oder anderer Leute ist.
Stricken oder Häkeln wäre auch mal wieder toll. Am besten ich strick mir gleich so eine dicke anziehbare Kuscheldecke, weil man davon ja eh nie genug haben kann. Am Liebsten gleich so eine, die mindestens eine große Bauchtasche hat, damit sich ein Katz da drin niederlassen kann. Das hat mein aktuelles Exemplar leider nicht. Das ist ein großes Manko, weil sich dann manchmal die Frage stellt ob ich nun meine anziehbare Kuscheldecke anziehen kann oder ob da nicht schon ein Katz drin liegt. Dann geht das mit dem Anziehen recht schwer.
Ich sollte weicher werden.
Weich zu mir selbst. Zu meinem inneren Ich.
Der innere Perfektionismus könnte beispielsweise irgendwann einmal Ruhe geben oder etwas stiller werden. Das gelingt hier und da schon immer mal wieder, aber im Zweifel prügel ich mich selbst zum Ziel und dabei ist es relativ egal was das für ein Ziel ist und ob dieses überhaupt „wichtig“ ist. Ich muss die Einarbeitung in Thema, sei es beruflich oder privat, nicht innerhalb von 5 Tagen intus haben. Ich darf mir dafür etwas mehr Zeit lassen.
Und selbst dieses „etwas mehr Zeit lassen“ ist eigentlich noch zu schnell. Ich arbeite daran mir Zeit für mich zu nehmen und Zeit für meine eigene Entwicklung, wohin auch immer. Wobei ich schon dran bin es zu lernen.. mir Zeit zu nehmen und nicht nur 5 sondern eben auch mal 10 gerade sein zu lassen.
Alt werden kann ich auch.
Das kann ich nicht nur, das wird mit der Zeit auch eintreten. Jeden Tag, jede Stunde, Minute und Sekunde werden wir alle, ob wir wollen oder nicht, ein bisschen älter als wir vor einem Tag, Stunde, Minute oder Sekunde noch waren. Die Zeit zerrinnt und kaum schaut man sich um, so sind schon wieder 5, 10 oder 20 Jahre vorbei. Was bleibt sind Erfahrungswerte, Erinnerungen und Lebensweisheiten. Wege die man gegangen ist durch Entscheidungen die man nicht mehr zurücknehmen kann, so wie beispielsweise der Nachbar, der jetzt gerade am 09.01.2026 um 21:10 Uhr sich dafür entschieden hat noch übrige Silvester-Raketen zu zünden. Nun hat er wahrscheinlich keine mehr für das nächste Jahr, wobei ich gar nicht weiß ob das so schlau ist, diese Dinger so lange aufzubewahren.
Ehrlich gesagt freue ich mich ein wenig auf das Alt-Werden und auf diesen Prozess. Das klingt in der heutigen Zeit mit den heutigen Maßstäben vielleicht komisch und ja ich sehe es ja jetzt schon, dass meinen Haaren teilweise die Farbe ausgeht. Nun ist es eine spannende Frage, wird es ein Weiß oder ein Grau oder irgendwas geschecktes zwischen drin?
Schluss endlich könnte ich auch versuchen jemand zu werden, der gar nicht mehr alles mögliche werden muss.
Ich stelle mir das sehr entspannt vor, wenn man nicht mehr den Drang verspürt sich allen möglichen Maßstäben beugen zu müssen. Wenn man seine eigenen Maßstäbe setzt, dann müssen diese ja gar nicht zu den anderen Maßstäben passen. Und eventuell gibt man sich selbst dann den nötigen Raum sich zu entfalten, kreativ zu werden, entspannter zu werden.
Vielleicht bin ich ja schon in der Nähe von einem oder mehrere dieser Punkte oder irgendwo dazwischen. Werden ist ein Prozess und jeder Teilschritt bringt einen in eine Richtung in der ein „werden“ möglich ist.
Die eigenen Maßstäbe zu setzen, die aber weiterhin veränderlich sind, je nach den eigenen Prinzipien und der eigenen Entwicklung, das hilft einem im Jetzt und auch in der Zukunft.
Dieser Artikel ist im Rahmen des Projekts Blognacht von Anna Koschinski entstanden. Wie du selbst teilnehmen kannst und wann die nächste Blognacht ansteht, kannst du hier nachlesen: https://www.blognacht.de/

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