Mobbing – der Schatten aus den 90ern

Anfang der Woche dachte ich nicht, dass mir danach ist im Rahmen des „90er Revival“ auch noch das Thema Mobbing anzugehen. Aber ja, meine Schuljahre ab 1995 bis 1998 waren nicht schön. Zu meinen ganz persönlichen 90er Jahren gehört also auch das dazu.

Damals..

Vor drei Jahrzehnten meinten Eltern, dass es Mobbing gar nicht gibt. Dass das nur „Neckereien“ waren. Nun, mittlerweile ist es unzweifelhaft, dass es Mobbing gibt und dass das langjährige Folgen für Opfer haben kann. Aber Mobbing gibt es nicht nur von Angesicht zu Angesicht in der Schule, im Verein oder auf der Arbeit. Nein, es wurde auch in den virtuellen Raum getragen. Natürlich, denn da ist es noch viel einfacher und die Hürde wohl sehr viel niedriger. Gott sei Dank waren die „Individuen“ von damals bei mir dazu nicht in der Lage.

Ich habe damals die Ratschläge gegen das Mobbing nicht als hilfreich empfunden und darf nun feststellen, dass sich dahingehend in den Jahrzehnten kaum etwas getan hat. Man soll sie ignorieren und bezüglich dem Cybermobbing soll man aufpassen was man teilt, persönliche Daten nicht weitergeben, usw. Man soll sich also selbst einschränken obwohl andere einem Unrecht tun und gegebenenfalls die Gesundheit des Opfers bewusst oder unbewusst, kurz- und langfristig negativ beeinflussen.

Bei mir hat sich das damals immerhin „nur“ auf Gegenstände oder aber tatsächlich auf die Kleidung, die ich trug, bezogen und begrenzt. Der Ranzen wurde demoliert, Schulbücher und mein Regenschirm beschädigt. Da ich keinen Rückhalt bei meinen Eltern fand, habe ich mir den Ersatz oder den Schaden damals von meinem hart ersparten Taschengeld geleistet.. auch mit der Absicht, dass meine Eltern das gar nicht erst mitbekommen. Sie erkannten zwar nicht das Mobbing an, aber „mein“ vermeintliches Fehlverhalten und damit beispielsweise auch die Beschädigung von Besitztümern wurde intensiv wahrgenommen. Und natürlich war ich die Schuldige, weil Klassenkameraden sich in ihrer Welt niemals so verhalten würden. Mobbing gab es ja nicht.
Und zudem waren ja auch noch meine Noten abgestürzt, ich war mehr in mich gekehrt und habe mich zurück gezogen. Ich war also aus ihrer Sicht nicht mehr die brave Tochter, sondern eine, die man mit noch mehr Strenge erziehen muss.

Nun, ich muss das wohl nicht weiter ausführen. Die Zeit damals war sehr schwierig für mich. Meine Psyche wurde damals aufgerieben zwischen den Mobbern aus der Schule und den Eltern, die meinten noch strenger zu mir sein zu müssen.

Mobbing durch Erwachsene

Mobbing gibt es aber auch unter Erwachsenen. Ich habe miterlebt wie eine Mitarbeiterin in meiner ersten Arbeitsstelle „rausgemobbt“ und zur Kündigung getrieben wurde. Wenig später arbeitete sich dann meine Chefin an mir in meiner zweiten Arbeitsstelle ab, wobei ich hier wohl als „Stellvertreter“ für ein unliebsames Projekt galt. Und so weiter und so fort.

Aktuell ist es nun bei mir persönlich dahingehend ruhig. Das aus meiner Schulzeit wirkt weiterhin nach, allein schon durch den Vertrauensbruch zu meinen Eltern, den ich ihnen nicht vergeben kann und will. Aber natürlich ist man durch solche Erfahrungen sensibel geworden und wittert im Zweifel mehr Gefahr als andere Personen.

Im virtuellen Raum und der Typ auf meiner Terrasse

In all den Jahren in denen ich Blogs oder Webseiten betreibe, wird mir immer wieder auf verschiedenen Wegen von verschiedenen Personen gesagt wie ich den Blog zu führen, wie ich meine Beiträge zu schreiben und was ich doch als nächstes zu veröffentlichen habe. Und dann war da noch der Typ, der meinte mich daheim besuchen zu wollen um dann zu versuchen über die Terrassentüre in meine Wohnung zu gelangen. Das war noch in der Zeit als ich so naiv war meine persönliche Adresse im Impressum anzugeben.

Ich halte es immer noch für absolut hirnrissig, dass erwachsene, mündige und vermutlich vernünftige, Menschen sich solcher Mobbing-Mechanismen hingeben. Wollen oder müssen sie die eigenen Probleme und Schwierigkeiten auf dieser Art kompensieren? Oder ist das einfach nur ein „ich stänker jetzt hier rum weil ich es kann und weil mir danach ist“?

Mir ist schon klar, dass in den letzten Jahren und Jahrzehnten unsere Gesellschaft und unsere Mitmenschen nicht mehr so sozial zueinander sind wie sie es vielleicht Mal waren. Aber es geht nicht in meinen Kopf hinein, dass man willkürlich um sich schlägt, ob nun „nur“ mit Worten oder tatsächlich mit Fäusten, weil einem danach ist und weil einem „die Nase“ des anderen nicht passt.

Wie geht man damit um?

Nein, ich habe trotz oder vielleicht auch wegen dieser eigenen Erfahrung kein „Rezept“ wie man mit solchen Personen umgeht ohne sich zu sehr einzugrenzen. Ich bin kein Fan davon den Tätern das Feld zu überlassen. Manchmal erscheint aber nur das möglich zu sein. Und in der Vergangenheit habe ich das auch mehrfach gemacht oder machen müssen um mich selbst erst einmal in Sicherheit zu bringen.

Mittlerweile habe ich gelernt virtuelle Angriffe an mir abprallen zu lassen. Immerhin, denn einem Face-to-face Angriff bin ich immer noch nicht gewachsen. Vermutlich muss hier jeder seinen eigenen Weg finden, wie man mit sowas umgeht. Und manchmal muss man erst einmal diesen Weg erahnen können bevor man den Mut aufbringt ihn zu gehen.

Vielleicht hilft es sich klar zu machen, dass das immer nur einzelne Individuen sind, die so agieren. Und diesen einzelnen Personen stehen sehr viele Menschen gegenüber, die einen mögen/lieben/gut behandeln/respektieren etc. Diese Individuen stellen also eine Minderheit dar und man darf sie dann auch gerne „einfach“ ignorieren.

Zuletzt bleibt wohl nur, selbst zu entscheiden, wie viel Raum man solchen Angriffen geben will.

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