Hier auf dem Blog hat die Aktion des digital Independence Day bisher nur am Rande Erwähnung gefunden. Dabei finde ich die Initiative sehr gut und würde mich freuen, wenn sie viele Personen erreicht. Daher möchte ich dir die Idee des DID (Digital Independence Day) oder DUT (Digitaler Unabhängigkeitstag) mal genauer vorstellen.
Hier geht es zur offiziellen Webseite der Aktion: https://di.day
Um was geht es?
Grundsätzlich geht es bei der Aktion darum die eigene Unabhängigkeit von BigTech, also Google, Meta, Amazon, Apple und Microsoft wieder zu erlangen. Diese Unternehmen und deren CEOs haben durch ihre „Monopolstellung“ in den jeweiligen Bereichen eine Macht erlangt, die es so in der Form nicht geben sollte.
Diese großen Plattformen fressen nicht nur unsere Daten, sondern steuern über ihre Algorithmen, was wir denken und fühlen, und beeinflussen damit erheblich, was wir gut oder schlecht finden.
Und gerade in der aktuellen Zeit mit einem Präsidenten der USA, der Europa kritisch gegenübersteht, ist es dringender denn je, dass wir wieder selbstbestimmt mit unseren Daten umgehen.
Nun könnte man sagen, „Was geht mich Trump an? Der sitzt in den USA, ich hier in Deutschland? Mir doch egal was der mit meinen Daten macht.“
Ja, es ist unwahrscheinlich, dass das ICE morgen vor deiner Tür steht, aber dennoch ist das ein Denkfehler. Die Daten, die du BigTech überantwortest liegen auf den Servern amerikanischer Konzerne und unterliegen damit auch dem Recht der USA.
Wir haben unsere Infrastruktur sowohl als Privatperson wie auch als Unternehmen auf Plattformen aufgebaut, die außerhalb unserer Kontrolle liegen. Das kann problematisch werden, wenn geopolitische Spannungen zunehmen oder politische Entscheidungen den Umgang mit unseren Daten beeinflussen.
Es ist im Prinzip nichts anderes, als dass wir unsere digitale „Lebensgrundlage“ in die Hände von ein paar wenigen US-Konzernen gegeben haben. Es wird Zeit, dass wir die Kontrolle über unsere Daten und unsere digitalen Räume zurückgewinnen.
Wechselrezepte
Im Rahmen des DID oder DUT ist jeweils der erste Sonntag eines Monats festgelegt um sich mit Alternativen zu den großen Plattformen auseinander zu setzen und bekannt zu machen. So gibt es auf der Webseite verschiedene Wechselrezepte, die eine Idee vermitteln welche Alternativen es gibt. Beispielsweise wird dazu geraten als Alternative zu X, ehemals Twitter, Mastodon auszuprobieren und anstelle von WhatsApp Signal zu nutzen.
Ja, in diesem Fall wird auch X als BigTech angesehen, auch wenn es unter der Auflistung am Anfang nicht vorkommt. X gilt beim DID oder DUT als Big‑Tech‑Angebot, weil es eine dominante Plattform mit massiver Reichweite ist, die über Algorithmen und zentrale Kontrolle Einfluss auf viele Menschen ausübt.
Die Rezepte sind als Vorschläge zu sehen und wenn ich das richtig vernommen habe, soll es mit der Zeit noch weitere Anregungen geben. Du musst solch ein Rezept also nicht bis zum letzten Punkt, meist der Löschung des bisherigen Accounts durchführen. Du kannst auch eine vorgeschlagene Alternative neben deiner bisherigen Umgebung betreiben. Also eine Art „+1“ Strategie fahren. Und vielleicht freundest du dich dann so damit an, dass du über kurz oder lang auf die große BigTech Plattform verzichten möchtest und kannst.
Du bestimmst das Tempo
Bei all den Angeboten der Webseiten egal ob online oder offline ist eines nicht zu vergessen, du selbst bestimmst mit was du beginnst, mit was du weiter machst und wo du aufhörst. Persönlich bin ich der Meinung, dass jeder seine eigenen Argumente für einen Wechsel finden muss und auch nur soweit gehen „muss“ wie man sich wohl fühlt.
Es hilft natürlich, wenn die Wechselrezepte Alternativen aufzeigen, die von möglichst vielen Personen bereits genutzt werden. Keiner will einem Mini-Social Media Netzwerk beitreten oder eine experimentelle Plattform für E-Mails etc. nutzen.
Und natürlich hilft auch eine aktive Community und Erfahrungsberichte zur Bestärkung in dem Vorhaben sich von BigTech loszulösen. Meine Wechsel von Android zu /e/OS oder von Windows zu Linux waren nicht von dem DID oder DUT inspiriert. Aber diese Aktion hat mich dazu gebracht über meine Erfahrung über den Wechsel zu schreiben. Obwohl und gerade weil ich eben nicht der Vollprofi bin, was Betriebssysteme auf Smartphones angeht oder auf dem Rechner angeht. Aber ich glaube genau diese Erfahrungen braucht es. Die Erfahrungen von Menschen wie du und ich ohne großes Vorwissen.
Die Zielgruppe
Wie gerade schon angerissen ist die Zielgruppe der Aktion die große Masse der verschiedenen Anwender. Also Menschen wie du, ich, deine Nachbarn, Freunde, Verwandte und alle deiner Kollegen auf der Arbeit. Es geht hier also nicht um Menschen, die das Tüfteln am Rechner oder das schreiben von eigenen Skripten und Programmen als ihr Hobby betrachten. Es geht um Alle. All diejenigen, die einen Stubs brauchen um zu sehen, dass es da noch andere gute Lösungen gibt.
Dazu muss die Initiative aber deutlich an Bedeutung und Relevanz gewinnen. Sie muss über die „Nerd-Bubble“ hinaus bekannt werden um auch all die Menschen zu erreichen, die noch nie einen Gedanken daran verschwendet haben, dass es Alternativen zu BigTech gibt.
Aktuell ist das noch nicht der Fall.
Meine Wünsche
Ich wünsche mir gerne, dass diese Initiative weiter wächst und sich weiter entwickelt, so dass sie viele Menschen erreicht. Also nicht nur die „IT-Heinis“ sondern eben auch ganz normale Menschen, die all die Plattformen der BigTech nutzen.
Ich wünsche mir, dass sich die Kritiker nicht im Kleinklein verlieren und der Initiative dadurch Schaden zufügen. Kritik ist gute Sache und soll auch weiterhin geäußert werden, aber die Zielgruppe der Initiative sollte dabei im Auge behalten werden. So ist es beispielsweise wenig realistisch, dass sich jeder Haushalt einen Server aufstellt und die benötigten Open Source Lösungen selbst hostet.
Und natürlich wünsche ich mir haufenweise Erfahrungsberichte von Personen ohne technischen Hintergrund, die erfolgreich gewechselt sind. Wie immer gilt auch und gerade bei sowas, wenn du was Gutes getan hast, dann erzähl auch darüber.
Und als letztes wünsche ich mir noch, dass gerade die Wechselrezepte auch durch Vorschläge der Community erweitert werden. Aktuell scheint es so zu sein, dass ein Fachbeirat hier beratend zur Seite steht. Dabei wäre das doch eine tolle Schnittstelle zur Community.

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