Das Freizeichen.. das von damals, dieser Dauerton bevor man anfing die gewünschte Nummer zu wählen, um dann das durchdringende Tüüüt tüüüüt tüüüüüt zu hören, das ist mir besonders in Verbindung von den alten Telefonen mit Wählscheibe im Gedächtnis.

Man hatte sich die Finger abgebrochen beim Wählen jeder einzelnen Zahl in dieser Drehscheibe, hatte keine Anzeige ob man jetzt wirklich die richtige Zahl erwischt hat oder nicht und dann kam der Rufton. Und dieser war hart verdient.

Es konnte zwar immer noch sein, dass auch die falsch gewählte Rufnummer existierte aber meist kam im Falle des Falles doch dieses andere “Tütütüüt Dieser Anschluss ist nicht erreichbar.”

Also den Rufton gibt es noch, wenn mal jemand sein Smartphone oder sein mobiles Haustelefon doch nicht direkt vor der Nase liegen hat. Aber das Freizeichen? Ich glaube das ist ein bisschen in Vergesseheit geraten und vielleicht auch verschwunden. Und selbst beim Rufton wartet man schon lange nicht mehr bewusst drauf. Irgendwann gab es ja auch so tolle Displays an den Telefonen, die die gewählte Nummern angezeigt haben oder noch besser man einfach Einträge aus einem Telefonbuch auswählen konnte, die man zuvor eingespeichert hatte.

Ein Freizeichen ist also im Prinzip nichts anderes als ein Signal dafür, dass der eigene Anschluss funktioniert und man nun wählen kann.

Zu einem Rufton wird nun vielleicht der Mastodon und Pixelfed Account, die ich mir teilweise vor Jahren, eingerichtet hatte. Account besteht.. antwortet aber vielleicht nur noch alle paar Wochen oder Monate.

Warum?

Ich bediene Social Media Plattformen schon seit Jahrzehnten und bisher kam ich, egal wo, immer gut zurecht mit den Menschen, die sich auf diesen Plattformen ausgetauscht haben. Nur das Fediverse, die Plattform wo der Altersdurchschnitt wohl mit am höchsten ist von all den anderen Angeboten, die ich bisher so genutzt hatte, dort trifft man auf Menschen, die ganz vehement und über diverse Grenzen hinweg ihre Meinung vertreten und alles andere drum herum platt walzen. Andere brauchen Grundsatzdiskussionen wohl zum Atmen und brechen aus jedem Halbsatz genau eine solche heraus, egal ob es zum Kern des Themas gerade passt oder nicht. Und wieder andere sind, Gott sei Dank, einfach ganz normal.

Einen eigenen Abschnitt bekommen nun diese Personen, die die (technische) Überlegenheit von “Was auch immer” (besonders vom Fediverse selbst, Linux, Open Source Projekten, etc.) gerne hervorheben. Ganz besonders als Antwort auf Fragen zu ähnlichen oder angrenzenden Themen. Das kombiniert mit den Erklärbären und dem stetigem Bewusstsein, dass das alles erwachsene Menschen sind, hat mir über die Jahre den Garaus gemacht.

Zudem bin ich mit dem Grundsatz aufgewachsen “Du bist nichts, wirst nichts und kannst nichts” und dem Zusatz dass man doch dankbar sein solle, wenn jemand seine Erfahrung oder Erkenntnis mit einem teilt.
Aus dieser blöden Phrase und dem Zusatz habe ich mich erst einmal herausarbeiten müssen um dann genau auf solche Menschen im virtuellen Raum zu treffen, die in diese Kerbe wieder hinein hauen? Nein, garantiert nicht.

Brauch ich nicht. Danke, ich verzichte. Und nein, das mag ich auch nicht für die Kontakte dort ertragen, die vollkommen in Ordnung sind.

Und dabei habe ich noch nicht einmal die Mini-Shitstorms erwähnt, mit denen ich mich im Fediverse beschäftigen durfte.

Beruflich sitze ich bereits in einem Nest von genau solchen Menschen. Und im Zweifel höre ich mir dort genau das an, was im Fediverse geschrieben wird. Nur mit dem kleinen Goodie, dass ich dafür bezahlt werde und das nicht mal so schlecht.
Mir das in der Freizeit ohne einen entsprechenden Ausgleich anzutun widerstrebt mir. Gleichzeitig widerstrebt es mir sehr meinen Account im Fediverse so dermaßen einzuschränken, dass ich mit diesen Personen gar nicht erst in Kontakt zu kommen.

Ich mag den öffentlichen Austausch. Er ermöglicht so vieles und vor allem einen diversen und vielfältigen Austausch in jeder Hinsicht. Und das macht das Social Media für mich auch aus.

Nun hat mir lange Zeit zum Fediverse eine Alternative gefehlt. Zu X oder Meta wollte ich nicht, die ATmosphere ist zwar spannend bei mir aber tatsächlich vorbehalten für meine “echten” Kontakte dort. “Lange Zeit” in diesem Fall übrigens nun fast zwei Jahre mittlerweile.

Nun kam mit eYou eine neue Plattform ins Spiel, die mir viel Spaß macht und die mir gerade diesen unkomplizierten Austausch ermöglicht, den ich im Fediverse vermisse. Damit kann ich mich nun vom Fediverse trennen.

Nein, eYou ist nicht das Fediverse und nicht die ATmosphere. Es ist nicht dezentral und ja, die Häufigkeit der KI- oder Meme-Bildchen ist teilweise schon recht hoch. Aber es muss ja auch nicht jede Plattform die Welt retten.
Die Hauptsache für mich ist, dass ich mich dort aktuell ganz wohl fühle. Davon hängt natürlich auch sehr stark ab was man teilt und was man schreibt oder ob überhaupt.

Bei den Fediverse Accounts gibt es nun also das Freizeichen.. welches gelegentlich, alle paar Wochen oder Monate, beantwortet wird. Ich erlaube mir nun diese Plattformen, Mastodon und Pixelfed, zu vergessen. Die Apps habe ich schon länger nicht mehr aus dem Smartphone und die Favoriten dazu sind seit letztens auch weg. Mal sehen wann ich also das nächste mal dort vorbei schaue.

Eine offene Frage dazu habe ich übrigens noch nicht abschließend für mich geklärt:
Soll der Blog weiterhin eine Verbindung zum Fediverse haben oder nicht?

Da werde ich wohl noch ein bisschen darauf herum denken müssen um mir auch dabei schlüssig zu werden.

Dieser Artikel ist im Rahmen des Projekts Blognacht von Anna Koschinski entstanden. Wie du selbst teilnehmen kannst und wann die nächste Blognacht ansteht, kannst du hier nachlesen: https://www.blognacht.de/

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