Ich bin keine Person die gerne viel redet. Früher hätte man wohl gesagt, ich wäre introvertiert. Aber die Welt hat sich weiter gedreht und so wissen wir schon lange, dass auch jeder als introvertiert bezeichnete Mensch mindestens zu einem gewissen Anteil auch extrovertiert ist.
Dennoch bin ich keine Person, die große Menschenmengen mag, ich mag es auch nicht vor Menschen live zu sprechen und dabei ist es nahezu egal ob das remote am Bildschirm, in einer kleinen Gruppe oder auf einer Bühne passiert.
Kontakte knüpfen zu anderen Menschen fällt mir dann aber doch relativ leicht. Smalltalk kann man lernen und irgendwann ist das wohl auch bei mir passiert. Immerhin darf ich mich ja auch Berater schimpfen und so ein Smalltalk in der ein oder anderen Gelegenheit ist durchaus ganz nützlich.
Dennoch bin ich vorsichtig bei neuen Kontakten. “Wem erzähle ich was?” ist durchaus eine Überlegung, die mir gelegentlich durch den Kopf schwebt.. um dann im Augenblick des Kontakts auch mal wieder vergessen zu werden. Und so kommt es durchaus vor, dass ich mich im Gespräch, in dem ich mich für den Augenblick gerade wohl fühle verplappere und Themen streife, die ich bei wenig mehr Klarheit nicht mit dieser Person geteilt hätte.
Ganz verheerend ist die lapidare Frage “Wie geht es dir?”.
Wobei das kein wirkliches Verplappern ist. Während und nach meiner Therapie habe ich meine Antwort auf diese kleine, harmlos wirkende Frage, grundlegend geändert. Wer mich das fragt, der bekommt im Zweifel meinen großen oder kleinen “Sorgenberg” vor die Füße geschmissen. Für mich ist das befreiend. Für den Empfänger hat das vielleicht den Effekt, dass er oder sie mir beim nächsten mal diese Frage nicht mehr stellt.
Manchmal denke ich mir dann schon ob ich nicht zu freizügig mit Informationen über mich, meine Gefühle, Gedanken und Co. bin. Auch hier im Blog. Gerade die tagebuchartigen Wochenrückblicke oder aber eben auch die Beiträge über meine Depression aus früheren Jahren.
In dem Moment des Schreibens fühlte sich das gut an.. aber im Prinzip ist das in regelmäßiges schriftliches “Verplappern”. Und das dürfte ja fast noch schlimmer sein als ein mündliches “Verplappern”.
Moment.. ich brauche Schokolade, sonst kann ich hier nicht weiter tippen.
Ich hatte kurzzeitig eine weiße Schokoladentafel in der Hand.. die sich aber sehr gut mit Rhabarber in einer Eiscreme machen würde. Insofern wurde dann mal die “Schoko-Orange” aus meinem ewigen kleinen Vorrat im Keller geholt und geopfert.
Es kann manchmal wirklich unklug sein, zu viel Information von sich zu teilen. Ja, es gibt Menschen darauf, die ein solches Verplappern ausnutzen um einem zu Schaden. Ich hatte noch nicht das „Vergnügen“ und ich hoffe auch, dass ich auf solche Menschen niemals treffe. Weder im virtuellen Raum, noch direkt von Angesicht zu Angesicht.
Allerdings finde ich solch ein “verplappern” anderer Personen mir gegenüber einfach super sympathisch. In dem Moment ist es ein Zeichen dafür, dass das Gespräch gut läuft und dass ein Vertrauen existiert. Und manchmal verplappert man sich noch gegenseitig und schweift komplett vom eigentlichen Thema ab, vergisst ganz worum es eigentlich gehen sollte und kommt vom Hundertsten ins Tausendste. Und dann quatscht man und quatscht man.. bis der Tag dunkel geworden ist, die Gießkanne schon lange leer ist oder der eingekaufte Tiefkühl-Spinat irgendwie aufgetaut ist.
Und das ist es dann halt auch einfach wert.
Zeit für ein oder mehrere weitere Schokostückchen. Cheers.
Dieser Artikel ist im Rahmen des Projekts Blognacht von Anna Koschinski entstanden. Wie du selbst teilnehmen kannst und wann die nächste Blognacht ansteht, kannst du hier nachlesen: https://www.blognacht.de/

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