Astrid (https://kaffeekochen-war-gestern.de/) fragt in ihrer Blogparade „Mach neu“, wie es sich anfühlt sein Leben umzukrempeln, den Alltag auf den Kopf zu stellen und alles mal kräftig durch zu schütteln sei es im Kleinen oder im Großen. Nun, das ist genau das, was ich seit Jahren und vielleicht sogar Jahrzehnten immer wieder mache. Und gerade bei den technischen Dingen, die ich gerade in meinem Leben verändere kam mir passendes Sinnbild in den Kopf, das ich hier gerne näher bringen möchte.
Veränderung statt Stillstand
Ich brauche Veränderung in meinem Leben. Ich stelle Altbewährtes sehr gerne auf die Probe und das nicht nur bei anderen sondern auch bei mir selbst, im Job und eben auch in meinem Privatleben. Kontinuität und Routine führen bei mir irgendwann zu einer Art Langeweile und schlussendlich auch zu einer Reduzierung meiner Kreativität in diesem Thema. Aber ich brauche meine Kreativität. Sie ist ganz essentiell für meine täglichen „Abenteuer“. Und ich stelle mein Leben sehr gerne regelmäßig auf dem Kopf.
Letzten September habe ich mich mit meiner neuen Stelle in ein noch nahezu unbekanntes Fachgebiet gewagt*. Kurz nach dem Beginn diesen Jahres bin ich vom gewohnten Android zu /e/OS gewechselt und Mitte Januar war der Umstieg von Windows zu Linux dran.
Ja, bei all den Themen fange ich gefühlt und tatsächlich bei A wie „anstrengender Anfang“ und wie „Alter Falter.. war das so schlau?“ an. Aber ja, über kurz oder lang verschwindet die anfängliche Unsicherheit und die Gedanken fangen wieder an mit den neuen Themen zu spielen, die Kreativität erobert auch die neuen Themenbereiche.
Vom Sessel zum Klappstuhl
Ich vergleiche das sehr gerne mit einem Sessel und einem Klappstuhl. Das Altbewährte ist der Sessel. Super bequem, mit Massagefunktion, Getränkehalter, gefüllt natürlich, Platz für ein Tablet oder ein Buch und was so ein Sessel eben noch so haben kann. Man setzt sich rein, fühlt sich wohl und will gar nicht mehr aufstehen. Das Neue, das könnte man sich durchaus als einen Klappstuhl vorstellen. Denn manchmal fühlt es sich auch einfach so an. Beim ersten Erkunden ist man sich nicht sicher ob der Klappstuhl einen trägt und bequem ist es sicherlich nicht. Man muss Arbeit hineinstecken. Man holt sich ein Sitzkissen und vielleicht auch etwas für diese störrische Rückenlehne. Vielleicht schraubt man sich noch ein Tischchen ran um das Tablet, Buch oder ein paar Snacks abstellen zu können.. um dann festzustellen, dass das alles den Stuhl viel zu eng macht und man nochmal von vorne anfängt.
Gerade dieses von vorne Anfangen, weil etwas nicht so klappt wie gedacht und einem schlicht die Erfahrung fehlt, verleitet dann doch manchmal wieder dazu sich in den superduper gemütlichen Sessel zu setzen. Aber kaum sitze ich da wieder drin und schaue mir mit etwas Abstand den Klappstuhl an, packt mich ein klein wenig Ehrgeiz. „Das muss doch gehen“ ist dann einer der Gedanken, die es mich nochmal versuchen lassen.
Manchmal aber ist es eben im Moment nicht die richtige Zeit für diese neue Sache, die neue Angewohnheit oder was auch immer der Klappstuhl gerade darstellt. Und es ist auch vollkommen ok, diesen Klappstuhl erst einmal beiseite zu räumen. Genauso ist es aber eben auch ok, dass man feststellt, dass dieses Neue nicht für einen geeignet ist. Je nachdem was dahinter steht, kann man sich auch auf die Suche nach einem passenderen Klappstuhl machen und den wackeligen, den man vor sich hat einfach wegräumen.
Der Antrieb dazu
Ich weiß gar nicht so genau woher dieser Antrieb bei mir kommt. Vor Jahrzehnten hat mir jemand mal gesagt, dass ich es mir wohl gerne besonders leicht machen würde, als ich bei einem der vorgegebenen Wege mal wieder gescheitert bin. Ich bin da anderer Meinung und wenn ich mir meinen Lebensweg mit all den großen und kleinen Entscheidungen zwischen Sessel und Klappstuhl anschaue, dann ist es sehr selten gewesen, dass ich es mir auf einem Sessel bequem gemacht habe.
Veränderung ist für mich ganz essentiell im Leben. Damit verbunden ist für mich auch sehr stark die Erlaubnis, dass man Scheitern und Fehler machen darf.
Ja, neue Wege oder auch andere Wege zu gehen als viele Andere ist manchmal anstrengend, aber in den meisten Fällen lohnt es sich.
Übrigens wurde dieser Blogbeitrag in der Murena Notiz-App auf dem /e/OS Smartphone entworfen, auf dem Linux Rechner für den WordPress Blog finalisiert, während ich in einer Stadt bin, zu der ich nie wieder zurückkehren wollte, in einem Häuschen mit einem Garten, der sich zu einem Waldgarten, völlig anders als alle umgebenden Gärten, entwickeln wird. Alles davon war irgendwann eine Entscheidung gegen den Sessel und für den Klappstuhl. Und all diese Klappstühle sind mittlerweile ganz schön bequem geworden.
*) Meine Kollegen würden etwas anderes dazu sagen, aber nach meinem eigenen Verständnis war ich bei dem neuen Themengebiet noch auf „Null“.

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