Mein Umstieg von Android zu /e/OS – Erfahrungen mit Murena Workspace und dem Fairphone 6

Hinweis:
Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen persönlichen Erfahrungsbericht. Genannte Produkte oder Services sind selbst gekauft und bezahlt. Es besteht keine Kooperation.

Inhalt

Ich weiß nicht mehr wann genau ich auf das /e/OS von Murena aufmerksam wurde, ich vermute aber, dass es irgendwann, als das Fairphone 6 veröffentlicht wurde, gewesen sein musste. Also vermutlich im Sommer letzten Jahres.
Ab dann begannen die Gedanken darum zu kreisen. Es war von Anfang an klar, dass die Reduzierung der Nutzung solcher großen US-Dienste wie Google, Android und Co. gemessen an der Entwicklung in den USA eine richtige Entscheidung ist, aber ich hatte Zweifel und wollte mich ungern von einem sehr bequemen Sofa mit all den feinen Google Diensten auf einen vermutlich wackeligen Klappstuhl setzen.

/e/OS ist ein datenschutzfreundliches, Google-freies Betriebssystem für Smartphones und Tablets von dem Unternehmen Murena.

Meine Tätigkeiten mit dem Smartphone

Ich mache schon verflixt viel mit dem Smartphone. Ich nutze es gerne für alles Mögliche wofür andere vielleicht doch noch den Rechner anwerfen. Von der allgemeinen Organisation des Alltags (Kalender, Aufgaben, Notizen und Mails), zum Bloggen als Hobby mit ein bisschen Social Media (WordPress, Fediverse, Bluesky) hin zu so tollen Sachen, die man wohl als „Papierkram“ bezeichnen könnte (Verwaltung der Versicherungen, Bankgeschäfte, Stromanbieter, „Amtsgänge“ etc.). Ja, ich gucke auf dem Ding auch gerne Filme zum Vergnügen, aber mehrheitlich ist das Gerät für mich schon im Prinzip mein Rechner in Klein und entsprechend wichtig.

Was ich übrigens nicht mache mit dem Smartphone ist Bezahlen und Spielen. Somit habe das auch im Folgenden nicht ausprobiert wie gut das funktioniert.

Diesen kleinen Rechner also mal kurz auf andere Beine zu stellen will wohl überlegt sein.
Eigentlich hatte ich auch versucht mir etwas mehr Wissen über das /e/OS anzueignen und mir dazu Videos angesehen.. die optimalerweise damit begannen, dass die Personen erst einmal erklärten was sie alles nicht mit ihrem Smartphone tun. Im Zweifelsfall kam das dann erst im Laufe des Videos heraus, das ich spätestens dann abbrach. Die Videos, die ich da versuchte anzusehen, waren meist auf Basis eines nahezu vollständig anderen Tätigkeitsprofils und damit war das leider nicht so hilfreich.

Forenbeiträge in der /e/OS Community (https://community.e.foundation/) fand ich dann nach und nach relevantere Informationen.. auch wenn dann immer noch das ein oder andere fehlte.

Bis kurz vor Weihnachten war dann schon klar, dass ich weg von Android und über kurz oder lang weg von all den Google Diensten wollte. Also blieb mir nichts anderes übrig als es einfach zu versuchen.

Der Murena Workspace (murena.io)

Also habe ich mir erst einmal den Murena Workspace angesehen und mich dort kostenlos angemeldet.
Uh.. ne neue Mailadresse, Filesharing, Kalender, Aufgaben, Notizen und alles mögliche weitere. Ein typischer Workspace, so wie ich mir ähnliche Produkte auch von anderen Anbietern zuvor angesehen hatte.
1 GB ist in der kostenlosen Anmeldung enthalten. Das reicht für Mails, Kontakte, Kalender und sowas. Für eine Synchronisation der Fotos ist das nicht ausreichend.
20 GB kosten im Jahr ca. 20€. Macht im Prinzip pro GB 1€. Das ist preislich durchaus in Ordnung.

Ich habe diesen Deal also abgeschlossen, da ich es allein schon für den Blog sehr bequem finde die Fotos, die ich seit geraumer Zeit mit dem Smartphone mache, direkt mit dem Rechner synchronisieren zu können und diese nicht erst runterladen zu müssen.
Das ist kein Muss, erhöht für mich aber natürlich den Komfort, da ich damit so in etwa einen sehr ähnlichen Umfang habe, wie das zuvor bei Google war.

Als ich schon mitten drin war den Workspace mit meinen Daten zu füllen, habe ich gesehen, dass es auch eine Möglichkeit zur vereinfachten Übertragung des Google Accounts in die Murena Welt gibt.
Ich habe mich aber bewusst dagegen entschieden und es nicht ausprobiert.

Ansicht der Anwendungen im murena.io

Ein Workspace ist eine zentrale digitale Arbeitsumgebung in der mehrere Anwendungen und Tools gebündelt sind.

Das Fairphone 6

Das Fairphone 6 mit /e/OS war da dann schon geordert als klar war, dass ich mit dem Workspace definitiv zurecht kommen werde.

Zugegeben es war eine ungeschickte Idee so kurz vor Weihnachten das Smartphone zu bestellen. Zumindest hat es ein paar Tage länger gedauert mit der Zustellung. Aber so zeitkritisch empfand ich das nicht.
Irgendwann nehme ich es in Empfang. Optisch im Vergleich zum Fairphone 4 keine großartige Veränderung. Aus meiner Sicht gibt es für die Klopper keinen Designpreis. Aber ich habe mich ja auch nicht wegen dem Design irgendwann für Fairphones entschieden, sondern weil man sie aufschrauben kann. Wie cool ist das denn?

An die neue Hülle von dem Smartphone muss ich mich erst gewöhnen. Es umschließt das Smartphone nicht komplett sondern lässt 2/3 der Rückseite frei. Das ist ungewohnt und sieht komisch aus.
Ich hatte mir einen Finger Loop zum Smartphone mit der Hülle dazu gegönnt. Dieses Gadget kommt mit einem Teil der Rückwand des Geräts, so dass dieser Teil ausgetauscht wird und der Finger Loop so direkt mit dem Smartphone verschraubt ist.
(An diese 1/3 Hülle konnte ich mich übrigens auch nach ein paar Wochen mehr nicht gewöhnen, so dass ich mir eine vollständige Hülle für das Smartphone gekauft und da dran dann einen Fingerloop geklebt habe.)

Der „Lime-Switch“, also dieser neon-gelbe Schieberegler an der Seite des Fairphones, der unter Android das Smartphone zu einem Dumbphone werden lässt, hat unter /e/OS lediglich die Funktion die Kamera und das Mikrofon zu blockieren. Die „Fairphone Moments“ oder „Essentials“, also die Begrenzung der Funktionalität des Smartphones auf Telefon, SMS, Kamera, Musik und Notizen, steht nicht zur Verfügung.

Die inneren Werte im Vergleich zu Fairphone 4

KategorieFairphone 4 (Android)Fairphone 6 (/e/OS)
Prozessor (SoC)Qualcomm Snapdragon 750GQualcomm Snapdragon 7s Gen 3 (4 nm)
CPUOcta-Core (2×2.2 GHz + 6×1.8 GHz)Octa-Core (1×2.5 GHz + 3×2.4 GHz + 4×1.8 GHz)
RAM6 GB / 8 GB8 GB
Speicher128 GB / 256 GB, microSD bis 2 TB256 GB, microSD bis 2 TB
Display6.3″ IPS LCD, 1080×2340, ~410 ppi6.31″ LTPO P-OLED, 1116×2484, bis 120 Hz, ~431 ppi
Hauptkamera(n)Dual: 48 MP (Weit) + 48 MP (Ultra-Weit)Dual: 50 MP (Weit) + 13 MP (Ultra-Weit)
Selfie-Kamera25 MP32 MP
Akku3905 mAh, wechselbar4415 mAh, wechselbar
Schnellladen20 W (50 % in ~30 Min)30 W (50 % in ~25 Min)
SIM & SlotsDual-SIM: Nano-SIM + eSIM, microSDDual-SIM: Nano-SIM + eSIM, microSD
Schutz & ZertifikateIP54IP55
Gewicht~225g~193g
Weitere DetailsWeitere Details

Hinsichtlich der Technik ist das Fairphone 6 zum Fairphone 4 kein gewaltiger Sprung. Hier und da ist es aber spürbar schneller oder besser. Das OLED Display ist schon nicht schlecht.

Die ersten Schritte mit /e/OS 3.3

Nun aber ging es los. Das Smartphone wurde mit einer SIM Karte bestückt, dessen Slot nun einfacher zu erreichen ist als beim Fairphone 4.
Hoch gefahren, die optionale Anmeldung für das murena.io wurde genutzt mit dem bereits eingerichteten Account und los gings.

Dich empfangen einige Standard Apps. So also einige Apps aus der Murena Welt wie ein Kalender, eine Galerie, Notizen, eine Foto-App, ein Browser, etc.
Im ersten Slide des Displays warten generelle Informationen auf dich wie eine Suche, die dich dann mit dem jeweiligen Suchwort in den Standardbrowser leitet, Informationen zu deinem Workspace Konto von Murena, sofern du die Anmeldung dafür genutzt hast, ein Überblick über den Abschnitt Advanced Privacy und darunter ist noch Platz für eigene Widgets.

Um Apps zu installieren gibt es die App Lounge. Darüber kann man auf verschiedene Quellen der Apps zugreifen.
Wenn man möchte kann man hier auch ein Google Konto hinterlegen um Apps aus dem Google Universum herunterladen zu können. Ja, für die ein oder andere Anwendung habe ich das genutzt. Vielleicht finde ich für diese betreffenden Apps dann noch Alternativen mit der Zeit.
Einige Apps, besonders die direkt von Google, können nicht herunter geladen werden oder funktionieren nicht richtig. Aber genau deswegen hat man sich ja gegen die Android und für die /e/OS Version entschieden.

Je App gibt es nun natürlich auch die Ansicht wie es um den Datenschutz steht. So kann man entscheiden ob man die App dennoch installieren möchte oder ob man sich nicht auf die Suche nach einer besseren Alternative macht.
Die Datenschutzanalysen werden durch exodus-privacy.eu.org durchgeführt. Hier ein Beispiel für die App My Pet’s Heart2Heart von Böhringer Ingelheim International GmbH (https://reports.exodus-privacy.eu.org/de/reports/com.boehringer.restingrespiratoryratenative/latest/).

Im Google Universum gekaufte Apps werden scheinbar direkt in der gekauften Version herunter geladen, sofern mit der Google Anmeldung gearbeitet wird. Ich kann das aber persönlich nur für eine einzige App (WarnWetter vom Deutschen Wetterdienst) so bezeugen, da ich ansonsten keine Käufe über den Play Store von Google/Android getätigt habe. (Weitere Käufe von dem /e/OS aus sind aber nicht möglich.)
Es ist auch möglich, dass verschiedene Apps, die nicht richtig ausgeführt werden können als WebUI im Browser funktionieren. ChatGPT wäre so ein Beispiel was mir dahingehend aufgefallen ist.

Und wenn du dann deine ganzen Apps oder Alternativen dazu erfolgreich installiert hast, dann unterscheidet sich das /e/OS nicht mehr so viel von der bisher bekannten Welt.
Man kann die Apps gruppieren aber man kann sie nicht frei auf den Displays positionieren.
Widgets funktionieren teilweise und können im ersten Display hinzugefügt werden. Widgets von den Murena eigenen Apps stehen auf jeden Fall zur Verfügung, sind teilweise aber doch sehr rudimentär aufgebaut.

Was man noch bedenken sollte, ist dass man mit dem System von Murena und ohne Google vielleicht den ein oder anderen Dienst anders oder zusätzlich abdecken sollte.
Smileys auf der Tastatur sieht Murena so nicht vor. Willst du welche haben installierst du dir die passende Tastatur.
Ein Passwort Safe ist immer eine gute Idee, vielleicht gleich einen mit Eingabe für entsprechende Abfragen in Apps oder auf Webseiten, und auch eine Code Generierung für Zugänge für 2-FA Zugänge ist sicher hilfreich. Für beides gibt es nicht nur Produkte von Google oder Microsoft sondern auch von anderen Unternehmen.
Gegebenenfalls muss man diese Anwendung, die man für die Eingabehilfe und die Passwortspeicherung ausgewählt hat, noch in den Einstellungen hinterlegen. Wo genau die Einstellung dazu dann zu finden ist verrät die Suche in den Einstellungen, die ich im Übrigen sehr praktisch finde.

Anfängliche Schwierigkeiten

Die Synchronisation mit murena.io

Persönlich hatte ich mit der Synchronisation zum Murena Workspace zu kämpfen.
OK, neuer Account, neues Gerät, neuer Mensch für das arme Gerät, dass da gleich an so ne verrückte Lady geraten ist, die doch nicht so viel Geduld bei genau sowas hat.

Das was ich am Gerät in den dortigen Kalender oder in die Notizen eingetragen habe war im Workspace anfangs nicht vorhanden und kam auch nicht an, trotz der Verbindung zum Murena Konto. Und auch Notizen, die ich am Rechner im Murena Workspace hinterlegt hatte wurden nicht oder nur mit dem Titel an das Smartphone übertragen.

Ein bisschen Geduld und ein Neustart und Neuanmeldung am Murena Konto hat das Problem dann halb behoben.

Halb nur deshalb, weil ich in der Notizen App auf dem Smartphone hier immer noch leere Notizen sehe, die eigentlich gefüllt sein sollten. Gehe ich mit dem Smartphone über die App in den Murena Workspace, dann ist alles vorhanden.

Nagut, sei es drum. So wichtig ist das nicht und so halb sind ja auch diese ersten Notizen da. Aber eben nur halb, je nachdem ob ich direkt in die Notiz App gehe oder erst in den Workspace und dort die Notizen öffne.

Es ist natürlich möglich, dass meine ersten Schritte und Versuche mit der Synchronisation genau in die Zeit gefallen ist, in der es eh Probleme gab? Zumindest wurde ich dann am nächsten Vormittag mit einem nicht angekündigten Wartungsfenster überrascht während dem der Workspace nicht zur Verfügung stand.
Bisher kam das nun aber nur einmal an einem Vormittag vor.
Wie es um die Murena Cloud Services gerade so steht, kann man auf der Statusseite nachsehen: https://status.murena.io

Bei den Wartungsfenstern würde ich mir persönlich eine kurze Meldung im Voraus wünschen, wenn man denn nun schon mit dem Murena Konto im entsprechenden Betriebssystem angemeldet ist. Aber vielleicht habe ich den Knopf einfach noch nicht gefunden.

Ein Fazit

Mit dem Betriebssystem /e/OS hast du die Möglichkeit dich von den vielen Google Diensten zu trennen und dir andere Anwendungen zu suchen. Es zeigt dir recht genau warum welche App kritisch einzuschätzen ist und mit dieser Grundlage kannst du deine eigenen Entscheidungen treffen.

Für mich ist der Umstieg nun die Chance diese verdammten Google Services, die ich seit 2013 und davor intensiv genutzt habe, los zu werden. Ich mache also eine „halbharten“ Cut. Das muss man nicht so machen, vereinfacht aber vielleicht den Umstieg.

Im Alltag fühlt sich das Bedienen des neuen Systems ganz normal an. Persönlich habe ich mich sehr schnell daran gewöhnt damit zu arbeiten.
Hier und da sind die Einstellungen vielleicht noch nicht so, wie ich sie haben möchte, aber das kommt mit der Zeit.

Auf meinem IHK Zeugnis von anno dazumal steht zwar „Informatik-xxx“ drauf, aber so exotisch war der Umstieg nicht. Man sollte sich etwas mehr Zeit nehmen und sich vorab Gedanken machen was man alles braucht und was vielleicht nur ein „Nice-To-Have“ wäre. Das Anfreunden mit dem System und das Einrichten dauert sicher etwas länger als wenn man von einer Android Version zu einer anderen wechselt.
Große Hürden für Personen ohne Informatik Hintergrund sehe ich aber nicht.

Der Wechsel vom Fairphone 4 auf 6 wäre nun nicht unbedingt nötig gewesen. Optisch finde ich die ganzen Fairphones nicht so der Brüller, aber manchmal entscheide ich mich eben auch nur für Sachen oder Dinge, weil mir die Idee dahinter gefällt. Sowas wie die Optik fällt bei mir dann sehr leicht hinten runter.

Persönlich bin ich ganz zufrieden und zwar mit allem was ich hier gerade beschrieben habe, also dem Murena Workspace, dem Fairphone 6 und dem /e/OS.
Mit der Zeit werde ich es sicher noch besser Kennenlernen und vielleicht bekommt der Beitrag hier das ein oder andere Update.

Und um das Bild vom Anfang nochmal aufzugreifen: Das /e/OS hat sich in dieser kurzen Zeit mit dem Murena Workspace als doch recht bequemer Stuhl entpuppt. Ein klappriger Klappstuhl ist es dann doch nicht, auch wenn ich das Anfangs dachte.

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