Es gibt wenig in Ulm, was eindeutig auf die Hexenverfolgungen erinnert. Tatsächlich kenne ich dazu nur eine unscheinbare Erinnerungsbramme, die Maria Holl gewidmet ist und Opfer der Hexenverfolgung in früheren Zeiten war, die es zu lokalem Ruhm in der Nachwelt gebracht hat.
Denn nun im Fasching sind unter anderem auch die „Holl Hexa“ los.
Die Hexenverfolgung in Ulm
In der Zeit zwischen 1508 und 1682 kommt es in Ulm zu 29 Prozessen gegen Hexen, sowie zu vier Verurteilungen, wovon eine Hinrichtung dem entspricht, was als „klassische Hexenhinrichtung“ gelten kann.
Zum Vergleich kann man die Zahlen von Nördlingen hernehmen, ca. 60km entfernt. Hier gab es eine sehr viel intensivere Hexenverfolgung mit mindestens 43 Beschuldigten, von denen 34 Frauen und ein Mann auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Eine weitere Frau starb bereits während der Haft.
- Katharina Rueß (?-1613) gestand unter Folter 1613, sie wäre bei einer früheren Haftstrafe vom Teufel besucht worden und hätte sich mit diesem verbündet als sie wegen der schweren Erkrankung eines Jungen als Hexe angeklagt wurde. Sie wurde verurteilt und in der Folge enthauptet. Ihr Leichnam wurde verbrannt und die Asche in ein fließendes Gewässer geworfen.
- Anna Ilg (1541-1621) wurde wegen verschiedener Taten, wie der Vergiftung von Kindern und Erwachsenen sowie Unwetterverursachung, verurteilt, obwohl sich sogar der Bürgermeister für sie eingesetzt hatte. Sie wurde enthauptet und anschließend verbrannt.
- Katharina Kepler (1546-1622) wurde 1615 als Hexe angeklagt und durch die erfolgreiche Verteidigung durch ihren Sohn, den Naturwissenschaftler Johannes Kepler, 1621 freigesprochen.
Die zu Anfang genannte eine Hinrichtung bezieht sich auf Katharina Rueß.
Das Verfahren von Anna Ilg, die genauso hingerichtet wurde, gilt in der modernen Forschung überwiegend nicht als klassischer Hexenprozess. Die Anklage konzentrierte sich vor allem auf konkrete strafrechtliche Delikte wie Giftmord und schwere Körperverletzung. Ihr Fall wird daher häufig als „Kriminalprozess mit magischem Deutungshorizont“ eingeordnet.
Maria Holl in Nördlingen
Der Fall der Maria Holl verbindet beide Städte. War sie doch vor ihrer Heirat Ulmer Bürgerin, die in Nördlingen mit ihrem Mann das Wirtshaus „Die goldene Krone“ am Weinmarkt führte, aber dann von ebenfalls der Hexerei angeklagten Personen denunziert wurde.
- Maria Holl (1549-1634) wurde 1593 in der freien Reichsstadt Nördlingen wegen Hexerei angeklagt und inhaftiert. Sie verweigerte standhaft das Geständnis, eine Hexe zu sein. Ihre Standfestigkeit verunsicherte die Richter und ermutigte Nördlinger und Ulmer Bürger und Bürgerinnen, gegen den Hexenwahn zu protestieren. Die Fürsprache mächtiger Personen aus Ulm trug dazu bei, dass Maria Holl schließlich auf eine Unschuldsbekundung hin am 11. Oktober 1594 aus der Haft entlassen wird.
Die Holl Hexa
Sehr bekannt sind auch Auftritte der Holl Hexa der Ulmer Narrenzunft zum Fasching, die es seit 1986 gibt. (Zunächst waren die Hexenfiguren als eigenständiger Verein aktiv und integrierten sich ab 1992 in die Ulmer Narrenzunft.)
Dabei wird Maria Holl als Holl Hexa so dargestellt, wie die damalige Obrigkeit in Nördlingen sie wohl gerne gesehen hätte, mit einer Hexenfratze und mit versteckten Hörnern unter einem Tuch für die Haare.
Auch damit verbunden ist der Fasnets-Ruf „Zong raus!“. Es wird gesagt, dass Maria Holl nach ihrem Freispruch den Anklägern und der gesamten Bevölkerung oder zumindest den dortigen Zuschauern schließlich die Zunge herausgestreckt habe.
Ich bin mir nicht sicher ob das nicht eher eine Ausschmückung der Geschichte um eine starke Frau aus der damaligen Zeit ist.
Aber dennoch lebt auch auf dieser Weise die Erinnerung an Maria Holl und mit ihr an die Hexenprozessen auch in Ulm weiter.

Erinnerungsbramme über Maria Holl, Sattlergasse 8
Diese Personen habe ich bei meiner Recherche zu der Hexenverfolgung in Ulm gefunden und allgemein ist von den wenigen Hexenprozessen in Ulm kaum noch etwas zu entdecken.
Und so wird auch die Erinnerungsbramme über Maria Holl vor der Sattlergasse 8, in der nun die Familien-Bildungsstätte Ulm ansässig ist, oft übersehen. Seit der Umgestaltung (2007) der Sattlergasse ohne bauliche Abtrennung zwischen Gehweg und Straße kommt noch hinzu, dass die Erinnerungsbramme oft zugeparkt wird. Sofern nicht ein Pflanzkübel oder ein Fahrradständer den Platz beansprucht ist so die Stele neben einem Stromkasten sehr unscheinbar.
Frauen der Ulmer Stadtgeschichte
Maria Holl
geb. Löhlin, 1549-1634
Die Ulmerin und Kronenwirtin in Nördlingen wurde 1593 als Hexe angeklagt. Trotz 62 grausamer Folterungen verweigerte Maria Holl das Geständnis, eine Hexe zu sein. Ihre Standfestigkeit verunsicherte die Richter und ermutigte Nördlinger und Ulmer Bürger und Bürgerinnen, gegen den Hexenwahn zu protestieren.
1595 wurde Maria Holl entlassen.
Mit ihrer Tapferkeit hatte sie nicht nur ihr eigenes, sondern auch das Leben anderer angeklagter Frauen in Nördlingen gerettet.
Maria Holl arbeitete in jungen Jahren in der Wirtschaft „Zum Rad“, die bis 1857 an diesem Ort und danach in Sattlergasse 11 in Betrieb war.



Weitere Informationen und Quellen
Während meiner Recherche habe ich noch viele weitere tiefergehende Informationen zur Hexenverfolgung in Ulm und Umgebung gefunden. Weit mehr als ich hier komprimiert widergeben kann und will. Es würde schlicht viel zu weit führen.
Daher lade ich dich hier dazu ein die bei Interesse diese Webseiten und Online-Dokumente genauer anzuschauen.
- Stadtarchiv Ulm – Hexenverfolgung und Aberglaube
- Youtube: Stadthaus Ulm – Der „Hexerei“ schuldig
- landesfrauenrat – Maria Holl
- Südwestpresse – Ein Funke Verstand rettet vor dem Scheiterhaufen
- Schwäbische – Der Hexenverfolgung fiel auch eine Nellingerin zum Opfer
- Neu-Ulmer Zeitung – Jeder Brückenpfeiler trägt ein Stück Geschichte
- Neu-Ulmer Zeitung – Hinrichtungen in Ulm: Böses Ende für Hexen, Diebe und Ehebrecher
- Schwäbische – Hexenwahn in der Region: Der grausame Fall Anna Spülerin

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