Eigentlich hatte ich heute, nach dem weiteren Tag mit 40 Grad, doch auf einen einfacheren Impuls bei der Blognacht gehofft. Aber ja, fallen unter diesem “nicht glanzvoll, aber wertvoll” nicht all jene Situationen, aus denen man mit leichter Schlagseite oder mit einem blauen Auge heraus gekommen ist?
Ja doch, davon gibt es so einige. Und um ehrlich zu sein gefällt mir der Ausspruch mit der Schlagseite oder dem blauen Auge doch etwas besser. Nicht jede Erfahrung aus so einer Situation ist wertvoll. Naja, man lernt zwangsweise, dass man mit dem ein oder anderen Menschen besser nicht zusammen arbeitet, wenn es daran lag, dass man doch besser den Weg links anstatt rechts genommen hätte. Man kommt dennoch irgendwie ans Ziel, aber ist diese Erfahrung dann gleich wertvoll? Man weiß ja nicht, was auf dem anderem Weg passiert wäre.
Und selbst wenn man den Weg das zweite mal nochmal geht, ist immer noch nicht sicher, dass er dann glanzvoller oder wertvoller wird. Wir haben ja aus dem Marvel Universe von Dr. Strange und Co. gelernt, dass es zig Trilliarden Möglichkeiten gibt für den Ausgang einer Situation.
Um ehrlich zu sein fällt mir auch nach längerem Krübeln gerade keine dieser Situationen ein. Auch wenn manche Wege schwierig waren, führten sie im allgemeinen dorthin wo ich hin wollte. Und genau das ist ja auch das Ziel und in der Regel interessiert es keinen wie der Weg war, wenn das Ziel erreicht wurde.
Bei manchen Entscheidungen holt man sich wohl zwangsweise ein paar Schrammen, blaue Augen oder eine Schlagseite und manchmal ist das anders auch gar nicht möglich. Dann gibt es keinen glanzvollen Weg und man ist froh darum, dass es überhaupt einen Weg gibt, so beschwerlich der auch sein mag. Am Ende mag man dann froh sein, es geschafft zu haben. Wie ist dabei nebensächlich und wertvoll war in diesem Fall der Weg wohl eher auch nicht, zumindest eben nicht bei solchen Wegen, die immer schwer begehbar sind. Ja, so etwas gibt es. Und die habe nicht nur ich schon beschritten, sondern du sicherlich auch schon.
Wertvoll? Ja, ne. Das fällt dann halt doch eher in die Kategorie “überlebt, Ziel erreicht”.
Das ist wohl die Krux am Erwachsensein, man kennt diese Wege, die sich so gestalten, und man kommt nicht drum herum sie dennoch, vielleicht sogar mehrfach, begehen zu müssen.
Vielleicht sind bei mir also so ein nicht ganz so glanzvoller aber wertvoller Weg also in der Kindheit versteckt?
Im Moment muss ich dabei an eine Gewinnspielaktion für die Kinder damals von der Pfarrgemeinde denken. Die Aufgabe war ein Bild zu malen. Und meine Mutter war ganz wild darauf, dass ich da doch bitte mitmachen sollte.
Ja, ich mochte malen und zeichnen damals sehr. Aber nicht unter Druck und schon gar nicht Vorgabe. Aber ihr war das wichtig. Also gut, wir machten etwas. Besser gesagt meine Mutter machte etwas. Es wurde ein Abbild der Kirchengemeinde mit Kartoffelstempeln produziert. Meine Mutter war wahnsinnig stolz drauf, ich machte mit, aber mit Malen und Zeichnen hatte das für mich nichts zu tun.
Zu meinem Glück oder Pech gewann ich mit diesem Bild sogar auch noch. Man schubste mich damals als scheues junges Mädchen bei der nächsten Gemeindeveranstaltung auf eine Bühne, man sollte das Bild hochhalten und bekam dann seinen Preis in die Hand gedrückt.
Ein bisschen Glanz war da also mit dabei. Wertvoll wurde es dann viele Jahre später. Im Nachhinein erkannte ich in dieser Situation, wie ehrgeizig meine Mutter in vielerlei Hinsicht war. Und auch wenn sie für sich den Ehrgeiz nicht mehr so ausleben konnte, so versuchte sie immer wieder sich an meiner Schwester und mir zu messen und das zeigt sich bis heute noch, allein schon im Sprachgebrauch. Es schwingt gerne ein “ich bin besser als du” mit.
Das war und ist der erste Wegweiser, in welche Richtung das Mutter-Tochter Verhältnis sich entwickeln sollte und welche Züge das noch annahm. Diese Erfahrung und die Erinnerung an dieses Gewinnspiel wurden dann vor einigen Jahren sehr wertvoll bei der Aufarbeitung all der damaligen und andauernden Erfahrungen mit meinen Eltern.
Also ja, nicht glanzvoll aber wertvoll.. im Nachhinein.
Anmerkung:
Das war das einzige Gewinnspiel zu dem ich mich habe treiben lassen. Die große Erkenntnis kam zwar erst lange Jahre später, aber auch als Kind wollte ich so etwas nicht noch einmal erleben und das Werk eines anderen präsentieren müssen.
Dieser Artikel ist im Rahmen des Projekts Blognacht von Anna Koschinski entstanden. Wie du selbst teilnehmen kannst und wann die nächste Blognacht ansteht, kannst du hier nachlesen: https://www.blognacht.de/

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